Was ist eine gute Erde? – Eine Einführung in die Welt der Erden

Mit dem Beginn der Gartenzeit poppt automatisch die Frage auf: Welche Erde soll ich jetzt eigentlich nehmen? Und was ist eigentlich eine gute Erde? Die Vielfalt an unterschiedlichen Produkten ist groß und nicht eindeutig. Im folgenden Bericht gebe ich euch eine kleine Orientierung im großen Dschungel der Erden, damit ihr beim nächsten Kauf eine gute Wahl trefft.

Altmodisch und trotzdem die Zukunft

Gute Erde ist mehr als nur eine Nährstoffbasis

Wenn es beim Gärtnern um das Substrat, also die Erde geht, dann bin ich sicher etwas altmodisch. Ich bin ein großer Fan von der guten, alten Erde. Natürlich gibt es viele „innovative“ Ansätze Pflanzen mit Nährstofflösungen zu versorgen. Diese Ansätze sind in gewisser Weise sicherlich berechtigt und dennoch vernachlässigen sie einen aus meiner Sicht ganz wichtigen Punkt. Erde ist so viel mehr als eine reine Nährstoffbasis für Pflanzen. In ihr wimmelt es natürlicherweise an komplexen Lebensstrukturen.

Als ökologisch bewusster Gärtner möchte ich meinen Pflanzen und dem darum funktionierenden Ökosystem die Möglichkeit der Entfaltung zu geben. Wer also biologisch gärtnert möchte, sollte im Ganzen denken und auch andere Lebewesen mit einbeziehen.

Aber von Vorne, denn die Ausgangsfrage kommt schnell auf, wenn man sich im Fachhandel die große Diversität an Erden anschaut. Ich kann absolut verstehen, wenn man zunächst verwirrt vor den Regalen steht und sich dann schlicht für das günstigste Produkt entscheidet. Alles klingt ähnlich und ist doch irgendwie anders. Wer soll bei diesemDschungel an Produkten noch den Überblick behalten?!

Kommunikation Untertage

Ein biologisches Netz im Boden

Ironischerweise ist die beste Erde auch gleichzeitig die Günstigste und Naheliegendste: die Erde im eignen Garten oder auf dem Acker. Diese Erde wird auch Boden genannt. Das komplizierte verwobene biologische Netz innerhalb eines Bodens aus Humus und Mineralien, Microorganismen, Pilzen und Tieren funktioniert hier bestens und bietet damit deinen Pflanzen die beste Entwicklungs- und Lebensgrundlage. Der Boden, so lange er nicht durch den Menschen aus dem Gleichgewicht gebracht worden ist, baut sich selbst auf, düngt sich selbst und speichert hervorragend Wasser. Er bietet den Pflanzen sogar die Möglichkeit durch Pilze an Wurzeln, den sogenannten Mykorrhiza, untereinander zu kommunizieren.

Ein toller Nebeneffekt eines gut funktionierenden Bodens ist auch der Humusaufbau. Pflanzen sterben ab und werden durch den Verrottungsprozess in Humus und damit in Nährstoffe für die nächste Pflanzengeneration umgewandelt. Eine gute Nachricht habe ich noch dazu. Dieser Prozess bindet zusätzlich eine Menge Kohlenstoff und kann damit ein wichtiger Pfeiler im Kampf gegen Klimawandel sein.

Nun hat leider nicht jeder von uns einen Garten oder möchte gerne im Kübel, Hochbeet und ähnlichem Gärtnern. Was also nun? In einem kleinen abgeschlossenen Raum ist es nicht wirklich möglich das eben beschriebene Netz zu simulieren. Ein biologisch funktionierender Boden ist im Kübel nicht darstellbar und muss es auch nicht.

Gut gemischt ist halb gewonnen

Was sind alle wichtigen Bestandteile einer Erde?

Um eine erfolgreiche Ernte einzufahren, muss du nicht die komplexe Struktur des Bodens in den Kübel bringen. Dazu genügt eine gut gemischte Erde, die zumindest in der Zusammensetzung alle wichtigen organische und anorganische Zuschlagstoffe enthält:

  • Der organische Bestandteil basiert auf „toten Pflanzen“ und ist der Kompost, der dazu gemischt wird. Dieser Kompost ist quasi der Humus in deiner Erde. Er besteht zum Beispiel aus Beschnitt, Pflanzabfälle aus dem Garten oder auch Bioabfälle aus Haushalten.
  • Die anorganischen Stoffe einer Erde sind mineralische Partikel wie Sand, Gesteinsmehl und verwitterte Gesteine. Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Qualität einer Erde bestimmt ist das Porenvolumen.

Das Porenvolumen ist der Abstand zwischen den einzelnen Erdpartikeln. Man kann sich diese Poren wie die Lunge der Erde vorstellen. Hier befindet sich Luft, damit die Wurzeln einer Pflanze atmen können. Gleichzeitig funktionieren diese Poren wie ein Schwamm, denn sie halten das Wasser. Wenn es also regnet oder die Pflanzen gegossen werden, dann dringt das Wasser durch diese Poren ein und wird darin gespeichert.

Achtung

Mit der Zeit verdicht sich Erde und das Porenvolumen verkleinert sich. Dann steht der „Lunge“ nicht genügend Luft zur Verfügung, um zu Atmen. Du solltest also immer mal wieder die Erde um deine Pflanzen auflockern. Viel gravierender für die meisten Hobbygärtner ist aber ein anderes Phänomen. Bekommt die Erde zu viel Wasser und kippt das Verhältnis Sauerstoff/Wasser, können die Pflanzen quasi ertrinken. Dieses Phänomen wird auch Staunässe genannt.

Zurück zur Anfangsfrage

Eine gute Erde erkennt man am Geruch

Zurück zur Situation im Fachhandel. Ich gebe zu, die ganzen Informationen helfen bei der Auswahl der Erde auch nur bedingt weiter, sind aber wichtig, um zu verstehen, wieso man gute Erde braucht. Im Handel findest du jetzt viele unterschiedliche Mischungen, die sich in ihren Zusammensetzungen, in der Qualität des Kompostes und im Preis unterscheiden. Generell rate ich dazu eher etwas höher Preisig an den Kauf der Erde zu gehen. Denn auch hier gilt, wer billig kauft, kauft oft zweimal.

Der Preisunterschied wird am deutlichsten in der Qualität des Kompostes in der Erde. Um den Preis zu drücken wird der Kompostierungsprozess immer öfter beschleunigt. Wenn ein Kompost im eigenen Garten für die Kompostierung ein Jahr benötigt, dann wird derselbe Prozess in Kompostierungsanlage auf wenige Woche runtergedrückt. Dadurch können manchmal die Bedingungen für einen vollständigen Kompostierungsprozess nicht richtig eingehalten werden. Auswirkungen können dann Schädlinge in der Erde sein, die später die Pflanzen befallen, wie zum Beispiel die Trauermücke. Du kannst eine gute Erde am Geruch erkennen. Riecht die Erde nach Waldboden, dann hat die Kompostierung erfolgreich funktioniert. Schwebt beim Öffnen der Tüte eher ein leicht fauliger Geruch in der Luft, dann ist die Kompostierung zu früh abgebrochen worden bzw. ist in dem Prozess etwas schiefgelaufen. Der Ärger ist dann oft größer als die Freude über den gesparten Euro.

Für die Hobbygärtner von euch reichen zwei unterschiedliche Erdenmischung komplett aus. Da ist zum einen die Anzuchterde und zum anderen eine Pflanzerde. Welche das genau sind und auf welche weiteren Faktoren du bei der Auswahl der Erde achten solltest, beschreibe ich in Teil 2.

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