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Geschichten

Das eigene Basilikum – der Selbstversuch eines ahnungslosen Gärtners

Thomas hat mit Gärtnern nix am Hut. Aber er hat auch keine Lust mehr auf Basilikum aus dem Supermarkt. Also traut er sich ran an's große Mysterium der Aussaat. Und ist überrascht, wie einfach das geht.

Basilikum aus dem Supermarkt?! Never Again!

17. April 2018: Der Basilikum-Topf aus dem Supermarkt ist schon wieder verdorben, bevor ich auch nur ein einziges Mal „Nudeln mit Pesto“ sagen konnte. Die braune Pflanze inklusive Plastikverpackung landet im Müll.

Im Netz kursieren Gerüchte, dass die Topf-Kräuter aus dem Supermarkt vom Hersteller so gezüchtet werden, dass sie bis zum Verkauf im grünsten Grün erstrahlen, nur um dann innerhalb von Sekunden auf der heimischen Fensterbank einzugehen – ähnlich wie ein Drucker, der zwei Tage nach Ablauf der Garantie den Geist aufgibt und zum Abschied noch einen blass-schimmernden Stinkefinger inklusive Zwinker-Smiley ausdruckt.

Ob das stimmt? Keine Ahnung. Vielleicht liegt es auch an den verwendeten Pestiziden, dem Transport der noch jungen und deshalb fragilen Basilikumpflanzen, zu wenig Platz im Topf oder weiß der Kuckuck. Fakt ist: Ich will frisches, grünes Basilikum auf meinem Tomate-Mozzarella-Brötchen und nie wieder einen welken Scheiterhaufen auf der Fensterbank, der mich strafend anblickt und mir sagen will: „Wenn du nicht mal auf mich aufpassen kannst, wie willst du dann jemals Kinder großziehen?!“ Das muss ich mir doch nicht bieten lassen, oder?

Was die Experten sagen

19. April 2018: Mein Entschluss steht fest: Schluss mit Outsourcing, ich nehme die Basilikumproduktion selbst in die Hand. So schwer kann es ja nicht sein, andere tun es doch auch! Ich statte den Jungs von Rankwerk einen Besuch ab, um mir ein paar Tipps zu ergaunern. Lasse drückt mir erstmal einen Beutel Basilikum-Saatgut („mittelgroßblättrig“ – so ein Wort gibt’s wohl nur auf Deutsch…) in die Hand und schickt mich zu Hannes ins Lager. Als studierter Geograph und ehemaliger Kompost-Mogul ist Hannes der Erdenexperte von Rankwerk und empfiehlt mir für meine Basilikum-Pläne eine besondere Kräutererde. Als kleinen Bonus legt er noch ein paar Kokospflanztöpfe oben drauf und entlässt mich in mein Stadtgärtnertum. Jetzt gibt’s kein Zurück mehr…

Ich sähe was, was du nicht siehst.

20. April 2018: Eigentlich ist alles ganz einfach. Erde in den Kokostopf, Saatgut in die Erde, Wasser und Sonne auf das Saatgut. Fertig. Tat gar nicht weh. Und jetzt? Die ersten Stunden als Neo-Botaniker verbringe ich damit, mit einem Stück Mozzarella und einer Packung Cherry-Tomaten vor meiner noch unsichtbaren Basilikumpflanze zu hocken, um der Natur bei der Arbeit zuzugucken. Nach einiger Zeit akzeptiere ich dann aber den Gedanken, dass hier heute wohl nichts mehr passiert.

Geister der Vergangenheit

26. April: War das alles ein Fehler? Seit sechs Tagen stehen die Basilikumtöpfe jetzt schon auf der Fensterbank und nichts regt sich. Erinnerungen an mein Bohnen-Tagebuch aus der sechsten Klasse kommen hoch. Im Biologieunterricht bekamen wir die einfache Aufgabe, eine Bohne einzupflanzen und das Wachstum zu dokumentieren.

Auszug: „23. April 2003: Nichts passiert. 26. April 2003: Keine besonderen Vorkommnisse. 30. April 2003: Endlich, ein Trieb! 01. Mai 2003: Fehlalarm, es war nur ein abgefallenes Blatt der Nachbarpflanze.“

Note: 4-. Ich befürchte, die Geschichte wiederholt sich. Zum Glück ist Herr Lehmann seit Jahren pensioniert.

Grünes Licht!

29. April 2018: Heureka! Wie aus dem Nichts sind sie da: meine ersten Basilikumsprösslinge! Willkommen auf der Welt, ihr kleinen mittelgroßblättrigen Kräuterknaben! Mein Unterstufen-Trauma scheint überwunden, meine Brust schwillt vor Stolz an und – vielleicht bilde ich es mir nur ein – mein Daumen fängt an, im Gegenlicht grün zu schimmern. Darf ich vorstellen? Thomas Carstensen: Stadtgärtner. Ich muss sofort Visitenkarten drucken…

Wie es weitergeht mit Thomas und seinem Basilikum lest ihr bald in Teil 2...

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